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Jörn Lamla: Digitale Märkte als soziale Arenen: Zum kulturellen Wandel der Reziprozität

Justus-Liebig-Universität Gießen

 

In dem Vortrag werden Ergebnisse eines an der Justus-Liebig-Universität durchgeführten Lehrforschungsprojekts zusammengeführt, das sich aus einer wirtschaftssoziologischen Perspektive mit neueren Internetphänomenen der sogenannten "Web 2.0"-Ära auseinandergesetzt hat. Untersucht wurden digitale Märkte angefangen von eBay über Tauschbörsen unterschiedlicher Art und den Open-Source-Sektor bis hin zu Auseinandersetzungen der Rundfunkanstalten um das Internet als Informations-, Aufmerksamkeits- und Werbemarkt. Vergleichbar werden diese heterogenen Phänomene dann, wenn sie als "soziale Arenen" im Sinne Anselm Strauss' betrachtet werden, d.h. als Gefüge sozial-ökonomischer Ordnungen, in denen Regeln und Grenzen unterschiedlicher "sozialer Welten" (KonsumentInnen, AnbieterInnen, TechnikerInnen usw.)aufeinandertreffen, die soziale Aushandlungs- sowie Grenzziehungsprozesse erforderlich machen. Für die Wirtschaftssoziologie wird damit – auch in Anlehnung an Clifford Geertz' Untersuchungen zum marokkanischen Basar – eine kulturanalytische Perspektive empfohlen, die sich nicht zuletzt deshalb bewährt, weil sie vielfältige Überlagerungen und Durchdringungen von "Formen der Reziprozität" in den Blickpunkt rückt, die für den gesellschaftlichen Wandel im digitalen Zeitalter insgesamt kennzeichnend sein könnten, also hohen zeitdiagnostischen Wert besitzen.